Mama-Afrika e.V. - Weibliche Genitalverst
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WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG (FGM)

Unter der weiblichen Genitalverstümmelung (engl.: female genital mutilation, FGM; frz.: l‘excision) versteht man verschiedene Formen kulturell verankerter operativer Eingriffe, bei denen die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane teilweise oder ganz entfernt werden. Bei der extremsten Variante, der Infibulation, wird zudem die Scheide fast vollständig zugenäht.


Auch wenn die Beschneidung vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter erfolgen kann, wird sie in der überwiegenden Zahl an 7- bis 12-Jährigen durchgeführt. In den letzten Jahren wurde jedoch der Trend beobachtet, die kleinen Mädchen in immer jüngeren Jahren zu beschneiden.


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass die Genitalien von weltweit rund 140 Millionen Mädchen und Frauen verstümmelt wurden (Stand 2008). Praktiziert wird der Brauch vorwiegend in 28 Ländern Afrikas, im Süden der Arabischen Halbinsel und in einigen Ländern Asiens. Durch Migrationsbewegungen nimmt die Zahl der Beschnittenen auch in Deutschland und Europa immer mehr zu. Hauptverbreitungsgebiete in Afrika sind der Sudan und Guinea. Dort sind über 90 Prozent der Frauen beschnitten.


Formen der FGM

In der Realität existieren viele Formen der weiblichen Genitalverstümmelung, auch Mischformen. Die drei häufigsten Varianten, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert wurden, werden im Folgenden dargestellt:

Formen weiblicher Genitalverstümmelung

Quelle: Wikimedia Commons 2009


Typ I – Die Sunna-Beschneidung / Klitoridektomie

Bei der Sunna-Beschneidung werden entweder die Klitoris-Vorhaut und/oder der gesamte äußerlich sichtbare Teil der Klitoris entfernt.


Typ II – Die Exzision

Bei der Exzision werden der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris sowie die kleinen, evtl. auch die großen Schamlippen teilweise oder ganz entfernt.


Typ III - Pharaonische Beschneidung / Infibulation

Die Infibulation ist die invasivste Form der weiblichen Genitalverstümmelung. Nach dem Entfernen des äußerlich sichtbaren Teils der Klitoris sowie Teilen der inneren und/oder äußeren Schamlippen werden die Wundränder des äußeren Schambereiches mit Akaziendornen oder Eisenringen zusammengefügt und die Vaginal-Öffnung bis auf ein stecknadelkopfgroßes Loch verschlossen.


Bei dieser extremen Form der Beschneidung werden die Beine der Mädchen durch Zusammenbinden der Oberschenkel über Wochen stillgelegt. In dieser Zeit soll die Haut über der Vaginal-Öffnung und dem Ausgang der Harnröhre zusammenwachsen. Lediglich eine winzige Öffnung – offengehalten durch das Einlegen eines kleinen Zweiges - verbleibt für den Austritt des Urins, des Menstruationsblutes und der Vaginal-Sekrete. Für den sexuellen Verkehr oder die Geburt eines Kindes müssen diese Frauen aufgeschnitten werden.


Typ IV

Unter dieser Kategorie werden alle Praktiken zusammengefasst, die sich nicht einer der drei oben beschriebenen Kategorien zuordnen lassen. Mischformen sowie das Einstechen, Durchbohren, Einschneiden, Abschaben oder Wegätzen des weiblichen Genitalgewebes sind hier beispielhaft.


Folgen

Die zuvor beschriebenen Eingriffe werden ohne medizinische Ursachen ausgeübt. Da sie zumeist ohne Betäubung und unter schlechten hygienischen Bedingungen mit alten Messern, verrosteten Rasierklingen, Scherben oder Scheren durchgeführt werden, sind sie mit starken Schmerzen verbunden. Hinzu kommen Risiken wie die Todesgefahr durch Schock oder Verblutung und langfristige psychische und physische Schäden wie Traumata, Inkontinenz, Probleme beim Geschlechtsverkehr oder der Niederkunft. Lesen Sie mehr über die gesundheitlichen Folgen von FGM...


Verbreitung

Da es sich bei der Frauenbeschneidung um ein gesellschaftliches Tabu-Thema handelt, über das selbst innerhalb der Familie nicht gesprochen wird, ist es schwer, verlässliche Studien durchzuführen. Man schätzt, dass die meisten Mädchen in Guinea nach Typ I oder II beschnitten werden. In einigen Regionen jedoch, wie Wald- und Mittelguinea, scheint die Infibulation als Beschneidungspraktik zu überwiegen. Lesen Sie mehr über Guinea...